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Agathe Nebl
Portrait der Direktorin
 

Von der Konzertmusikerin zur erfolgreichen Unternehmerin: Agathe Nebl, gibt persönliche Einblicke und lüftet das Geheimnis wirklich guten Musikunterrichts.

Die gebürtige Französin Agathe Nebl wusste schon als Studentin an der Kunstuniversität Graz, dass Musik das Wichtigste für sie ist. Wohin es beruflich gehen würde, das stand noch nicht so genau fest, nur eines war klar: mit Musik musste es zu tun haben! Im Verlauf des Cello-Studiums dämmerte ihr, dass der klassische Weg, den die meisten ihrer Mitstudierenden einschlugen - eine Anstellung in einem Orchester - für sie nicht das Richtige war. Denn „Es gab da diese wilde Seele in mir, die nach Abenteuer sucht.“ Nebl wollte sich kreativ ausleben und ihre eigenen Ideen verfolgen. Durch manchmal nicht ideale Erfahrungen im Studium lernte sie schnell, worauf es beim Unterrichten ankommt und setzte diese Erkenntnisse als Cello-Lehrerin direkt selbst um. Als sie dann später die Musikabteilung eines Wiener Bildungsinstituts leitete, lernte sie die pädagogischen Freiheiten, die sie in dieser Position genoss, zu schätzen. „Ich konnte aktiv mitgestalten, wie Kinder Musik erleben, was für die meisten den allerersten Kontakt mit klassischer Musik bedeutete. Diese große Verantwortung war zwar zunächst ein wenig beängstigend, aber ungemein motivierend für mich." Trotz ihrer Position waren den pädagogischen Gestaltungsmöglichkeiten aber dennoch Grenzen gesetzt: „Ein bisschen Frust blieb immer, weil ich mich nicht ganz verwirklichen konnte.“ Nebl wusste bereits ganz genau, wie ihre Idee des idealen Musikunterrichts aussieht, und: „Wenn ich eine Idee habe, dann brenne ich dafür, diese auch umsetzen.“ 

 

Gesagt, getan: im Alter von 31 Jahren gründet Nebl die école de musique, um ihre Ideen frei verwirklichen zu können. Grundgedanke war dabei, das Einfache an vermeintlich komplexer Hochkultur und klassischer Musik zu vermitteln. Nebls Konzept fokussiert auf die Grundlagen, denn oft sind es die einfachsten Zugänge, die den größten Erfolg versprechen. Das sind zuallererst die bewusste Wahrnehmung und Wirkung des Klangs, kombiniert mit einer befreiten Körperhaltung. Nebls „einfacher Weg“ lehrt SchülerInnen Unbefangenheit und die Kraft der Basics. So kann furchtlos an vermeintlich Schwieriges herangegangen werden, was nicht nur für Kinder wichtig ist. „Ich unterrichte eine bestimmte Art und Weise, Dinge zu betrachten und schule den Mut, große Unternehmungen zu beginnen.“ Nebl vermittelt in ihrer Schule ganz bewusst eine Haltung zum Leben, die sich auf den gesamten Lebensweg ihrer SchülerInnen auswirkt. Das Erlernen eines Instruments vergleicht sie mit einer langen Wanderung oder einer Bergbesteigung. „Ich bringe meinen Schülern und Schülerinnen Geduld, Organisation und Freude an kleinen Wegetappen bei.“ Vor allem für Kinder sei es enorm wichtig zu lernen, wie man sich erfolgreich durch eines längerfristiges Projekt durchkämpft. Und am Ende der „Wanderung“ sind sie dann umso glücklicher: Nebl kann immer wieder beobachten, wie sehr Kinder bei Abschlusskonzerten strahlen.

 

Wie bereichernd das Erlernen eines Musikinstruments für die eigene Persönlichkeit ist, wird im Unterricht für Erwachsene noch deutlicher. Musik vergleicht Nebl immer wieder mit Sprache: Melodien folgen ähnlichen Strukturen wie Sätze, auch die großen Klassiker lassen sich als einfache Abfolgen auffassen und können so zugänglich und besser verständlich gemacht werden. Bei Erwachsenen ist meist bereits eine Sensibilität für die Schönheit des Klangs gegeben, doch: „Es gibt viel Scham und Hemmung. Viele leben seit dreißig Jahren im festen Glauben 'Das kann ich nicht!’“, weshalb Nebl vor allem auf eine sehr persönliche Arbeitsweise, die sich nahe an individuellen Grenzen bewegt, setzt. Mit kreativen Lehrmethoden, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind, entwickelt sich im Laufe des Unterrichts Bewusstsein für Selbstwirksamkeit und bereits vorhandene Potenziale werden freigesetzt: „Ich gebe Raum und befreie, was eigentlich schon da ist.“ Nebl vergleicht diese Arbeit mit der einer Psychologin. Die körperlich-sinnliche Wirkung von Musik und die Freude am Schaffen spielen dabei sicherlich eine wichtige Rolle. 

 

Um ihre zentralen Anliegen noch besser verfolgen zu können, gründet Nebl 2018 die Kulturplattform Working Muse. Ziel sei es, Schönheit in das Leben aller Menschen zu bringen. Working Muse schafft Musikerlebnisse und macht klassische Musik zugänglicher, ganz ohne Bildungsansatz. Die Grundidee erklärt Nebl so: „Für alle, überall und in allen Formen.“ Diese Grundidee entspricht Nebls inklusiver Auffassung von Kultur, denn Inklusivität und Offenheit sind ihrer Meinung nach vor allem in Hinblick auf den elitären Ruf von klassischer Musik notwendig. Musik sei lebendig und frei, doch was gesellschaftlich als das Label „Hochkultur“ darübergestülpt wird, komme weder der Kunst noch den Menschen zugute. Working Muse räumt mit dem Vorurteil auf, dass die Welt der klassischen Musik exklusiv, elitär und geschlossen sei. „Für mich zählt nur die Schönheit. Kunst bewegt und vermittelt Gefühle. Das ist wichtiger als das ganze Drumherum. Unsere Projekte ermöglichen es, zu entdecken, zu erleben und sich lebendig zu fühlen - nicht mehr und nicht weniger! “ 

 

Die größte Freude hat Nebl beim Cellospielen an Stücken, die stark schwingen und im wahrsten Sinne des Wortes bewegen. Ein Lieblingsstück kann sie nicht nennen, denn auch das bleibt dynamisch. Sie lässt sich von der Frage „Was tut mir gut?“ leiten, was gleichzeitig als Motto für den einzigartig persönlichen Musikunterricht, den sie in der école anbietet, dienen kann.  

Wera Hippesroither, Dezember 2020

Aktuell:
Brief der Direktorin zum Schulstart

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Familien, liebe Freunde,

Ich freue mich sehr, berichten zu dürfen, dass sich das Projekt, “école de musique” in den letzten drei Jahren wunderbar entwickelt hat!
Die kleine école ist groß geworden, und wir freuen uns, unsere offizielle Metamorphose als “Le Conservatoire - Wien” bekannt zu geben. Der neue Name ergibt sich aus neuen und spannenden Erweiterungen wie z.B. die Eröffnung von Studienangeboten - Orchesterdirigieren aber auch eines neuen Gitarrenorchesters und vieles mehr…
Ich möchte mich, bei Ihnen allen, für Ihr Vertrauen und Ihre Begeisterung, welche das Projekt jeden Tag beflügelt, bedanken. Ich hoffe, dass "le Conservatoire" weiter wächst um noch besser seine Bestimmung, Leben mit Musik zu bereichern, erfüllen zu können.

Eine zweite große Veränderung steht bevor, ich habe das Glück bald Mutter werden zu dürfen. Claude Brendel hat seit August die stellvertretende Leitung während meiner Mutterschafts-Karenz übernommen. Claude, unterstützt von Anna Prand-Stritzko, ist somit Ihr neuer Ansprechpartner für alle administrative und organisatorische Belange. Die beiden sind für Sie unter der E-Mail info@conservatoire.at erreichbar und per Telefon unter +43 670 603 1116 persönlich zu sprechen.
Christine Verdon, erfolgreiche Geigerin und Veronica Klavzar, magischen Harfen Spielerin, veranstalten in der Zwischenzeit die Musikwerkstatt.
Ab Anfang Jänner 2022 werde ich in das Tagesgeschäft des Conservatoires wieder zurückkehren, bis dorthin werde ich nur mehr die Geschäftsführung im Hintergrund ausüben können und bitte Sie um Verständnis, dass ich nicht immer schnell erreichbar sein werde. Natürlich bin ich auch vor Jänner bei dringend und wichtigen Anliegen für Sie da.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Schulbeginn, hoffentlich mit wenig Stress, und mit viel Musik begleitet!

Alles Liebe und bis bald, Ihre Agathe